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Butter bei die Fische

Ich glaube, es ist an der Zeit etwas offener zu werden. Denn es sieht so aus, als sei die Zeit des Leidens bald vorbei. Zumindest wird sie es für mich sein. Und ich fühle mich inzwischen auch stark genug dafür, negative Reaktionen darauf auszuhalten.

Bei einer Anamnese werde ich häufig gefragt, ob es bekannt ist, dass es irgendwelche traumatischen Erfahrungen in meiner Familie gab. Eigentlich weiß ich nie so genau, was damit gemeint ist, denn ich kann mir unter dem Begriff nicht viel vorstellen.

Ich habe sehr viele Erfahrungen gemacht, welche mich verhaltenspsychologisch und tiefenpsychologisch geprägt haben, und durch die sich auch bei mir sogenannte Trigger gebildet haben. Unkontrollierte Emotionsausbrüche, die durch unscheinbare Sätze, Verhaltensweisen, Betonungen, Mimiken ausgelöst werden. In der Familie, im Freundeskreis, Schule und anderweitig. Von Kindesalter bis heute. Wobei ich sagen muss, dass ich diese Problematik mittlerweile sehr gut in den Griff bekommen habe. Hauptsächlich durch Selbstreflektion.

Allerdings gibt es auch eine Erfahrung, die anders ist. Ich kann sie nicht explizit beschreiben, denn dazu ist es einfach zu grausam und zu belastend. Ich kann es nur soweit beschreiben, als das ich sagen kann, dass ich praktischen Satanismus miterlebt habe. Nicht als Opfer, nicht als Täter, nur als Zuschauer. Doch das allein hat bei mir bereits dieselben Symptome ausgelöst, die man zum Beispiel auch von vergewaltigten Frauen kennt.

Was passiert dabei im Kopf? Bei mir war es so, dass ich sozusagen ununterbrochen mit den Bildern im Kopf im wahrsten Sinne des Wortes bombadiert wurde, die ich da gesehen habe. Währenddessen ist Blutzuckerspiegel und Serotoninspiegel in den Keller gerast bzw. wurde er immer stärker nach unten gedrückt. Es hat sich angefühlt, als würde das Hirn von innen heraus verfaulen oder vertrocknen. Ich versuchte mir immer wieder etwas Schönes vorzustellen um die Bilder bei Seite zu schieben, aber es gelang kaum. Da ich eine ausgeprägte Körperempfindung besitze, habe ich diesen Kampf sehr bewusst miterlebt und kann mich noch gut dran erinnern. Desweiteren bekam ich Schüttelfrost, musste mich immer wieder übergeben, bekam das Bedürfnis kalt zu duschen um irgendwas zu fühlen. Um die Gewissheit zu haben, noch zu existieren. Die innere Leere zu füllen, die mich drohte, mich selbst vergessen zu lassen. Man sieht nichts mehr außer diese Bilder oder schwarz. Und man spürt, dass irgendetwas in einem beginnt sich abzuspalten. Irgendwann war mein Körper so am Ende, dass ich zu Boden sank. Einigermaßen geistesgegenwärtig schaffte ich es allerdings noch, meine Beine auf die Toilette zu legen. Sodass sich mein Kreislauf wieder stabilisieren konnte, bevor ich ganz wegtreten konnte. So lag ich dann ein paar Stunden da. Es ging mir langsam besser. Ich glaube, dass hat mich vor schlimmeren Schäden bewahrt. Welcher Art auch immer.

Nach dieser Erholung (es war übrigens tief in der Nacht) aß ich dann erstmal etwas und überlegte, was ich mit diesen Bildern im Kopf machen sollte. Ich hatte damals große Angst davor, dass es etwas mit meinem Unterbewusstsein machen würde, wenn ich versuchen würde, es einfach zu verdrängen. Sollte ich die Seelsorge anrufen? Sollte ich damit zum Psychologen gehen? Das kam für mich eigentlich nicht in Frage, denn zum Einen wusste ich, würde ich darüber sprechen, würde es mich neurologisch zerstören. Diese Prozedur, die ich gerade durchgemacht hatte, würde ich kein zweites Mal durchstehen. Zum Anderen hatte ich aber auch Angst davor, andere Menschen mit diesen Erzählungen zu schaden. Denn so etwas existiert schlichtweg nicht in der Vorstellungskraft eines Menschen. Auch bei jenen nicht, die viele Horrorfilme gesehen haben. Oder halt nur als beliebige Fantasie.

Meine letzte Idee war es, alles aufzuschreiben. Und zwar handschriftlich. Und das tat ich dann. Jedes Bild, jedes Gefühl, jeder Gedanke. Alles was mir in den Sinn kam und wie es mir in den Sinn kam. Den ganzen Hass, die ganze Angst, den ganzen Ekel. Dieses Gefühl etwas einfach nicht fassen zu können. Es dauerte sehr lang, denn ich musste immer wieder Pausen einlegen um die Bilder nicht zu präsent werden zu lassen. Am Ende war es ein Blatt mit zwei vollbeschriebenen Seiten.

Ich fühlte mich damit schon besser. Doch nun war die Frage, was ich mit dem Blatt Papier machen sollte. Es wegzuwerfen käme einer Verdrängung irgendwie gleich. Zumindest dachte ich so. Also legte ich es in den Schrank. Allerdings so, dass ich es immer sehen kann, wenn ich im Zimmer bin. Mir war das wichtig. Ich wollte es nicht vergessen und nicht verdrängen, nicht gänzlich. Ich hatte zuviel Angst davor, was dadurch passieren würde, was ich selbst nicht bemerken würde. Also lag es da und ich schaute einfach mal, was es mit mir denn macht.

Im Nachhinein stelle ich fest, dass ich dadurch, dass das Blatt da lag, die Angst vor den Erinnerungen verlor. Die Erinnerungen sind noch immer da und werden noch immer weitestgehend unterdrückt, weil sie im Zweifel doch immernoch schaden würden, schmerzhaft sind. Aber sie werden dennoch nicht verdrängt oder vergessen. Ich weiß, dass sie da sind. Aber es ist keine Angst mehr da, nur noch eine intuitive Vorsicht. Dieses Blatt war für mich die Gewissheit, dass der Dämon nicht mehr in mir ist sondern in dieses Blatt verbannt wurde. Und je öfter ich es da lagen sah, desto mehr wurde mir klar, dass er mir nichts mehr tun kann, weil ich weiß, wie ich ihn im Zweifelsfall in Schach halten kann. Mit dieser Gewissheit schaffte ich es dann auch, das Blatt irgendwann wegzuwerfen. Genau gesagt an dem Tag, an dem ich nach Bremen zog. Damals war ich zwischen 15-16. Nach Bremen bin ich dieses Jahr, also mit 28 gezogen.

Aus dem Geschriebenen ergeben sich für Leser bestimmt nun viele Fragen, die man mir auch gerne stellen kann. Wenn man sowas aufschreibt, spult man eigentlich nur einen inneren Film ab, der viele Nebensächlichkeiten ignoriert. Ich wollte eigentlich auch viel mehr schreiben aber die Hälfte versinkt gerade im Meer der Gedanken.

An dieser Stelle sei nochmal gesagt, dass ich mein Erlebnis nicht mit einer körperlichen oder sexuellen Vergewaltigung gleichsetzen will. Das ist aus vielen Gründen nochmal ein ganz anderes Level.
7.8.17 21:46
 


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